11 Mai

Jugendgeschichtsarbeit

Am 18.05.19 fahren wir mit den Teilnehmern der Gedenkstättenfahrt nach Łódź erneut zur Gedenkstätte Ravensbrück. Die Jugendlichen haben sich eine Führung über das Lagergelände und speziell auch zur Geschichte der Zwangsarbeit im ehemaligen KZ-Außenlager Königs Wusterhausen gewünscht (Nach Ravensbrück wurden 1944 die Frauen und Kinder deportiert, von denen ein Teil dann 1945 nach Königs Wusterhausen gebracht wurden).

Auf der Seite des United States Holocaust Memorial Museum gibt es eine informative Online-Ausstellung zum ehemaligen Ghetto in Łódź sowie einen Film und auch Biografien von Überlebenden (Englisch).

23.04-26.04.19: Gedenkstättenfahrt in Łódź: Drei Jungen und drei Mädchen der Ludwig Witthöft Oberschule Wildau und der Gesamtschule Zeuthen fuhren vom 23.-26.April nach Łódź um sich über die Geschichte des Ghetto Lodz zu informieren. Sie besuchten dabei die Gedenkstätte Radegast, den ehemaligen Bahnhof des Ghettos, den jüdischen Friedhof, den Park der Überlebenden und das Marek Edelman Dialog Center. Ausgehend von ihren Forschungen zum ehemaligen KZ-Außenlager in Königs Wusterhausen und dem Treffen mit dem Überlebenden Dr. Richard Fagot am 13.04 in der Gedenkstätte Ravensbrück suchten sie Gedenkorte des ehemaligen Ghettos für Juden auf.

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13.04.19: Wir waren beim Zeitzeugengespräch mit Dr. Richard Fagot in der Gedenkstätte Ravensbrück. Herr Dr. Richard Fagot sprach mit Thomas Kunz über seine Erinnerungen als Neunjähriger an das Ghetto in  Łódź (1940-1945 Litzmannstadt), das Konzentrationslager Ravensbrück und das Außenlager in Königs Wusterhausen. InterviewRichardFagot

„So ist der Mensch, er erinnert sich viel besser an die guten Dinge“

Am Sonnabend den 13.04.19 erzählte Dr. Richard Fagot in der Gedenkstätte Ravensbrück von seiner Kindheit in Lodz, dem Leben im Ghetto dem Konzentrationslager Ravensbrück und Königs Wusterhausen. Dabei waren auch Jugendliche aus Wildau und Zeuthen.

Richard Fagot war neun Jahre alt als er im KZ Sachsenhausen zusammen mit seiner Mutter am 21.April 1945 befreit wurde. Seine Mutter konnte nicht mehr laufen und hatte es geschafft sich mit ihrem Sohn und der Tochter in einer leerstehenden Baracke zu verstecken. Herr Fagot berichtete wie er und seine Familie in das Ghetto, drei Stadtviertel etwa vier Quadratkilometer groß, umziehen mussten. Insgesamt 160 000 Juden wurden einquartiert. Hier musste auch Richard Fagot in einer Zigarettenfabrik arbeiten. „wer nicht arbeitete bekam nichts zu essen“. „Meine Erinnerungen, sind die Erinnerungen eines Kindes“ betonte Dr. Fagot bei dem Gespräch, das von Thomas Kunz dem pädagogischen Mitarbeiter der Gedenkstätte Ravensbrück moderiert wurde.

Richard Fagot erzählte, wie er 1942 die Deportation aller jüdischen Kinder überlebte, da sein Vater ihn in einem Krankenhaus versteckten konnte. Ausführlich sprach er über den Transport in Viehwagen der Reichsbahn nach Ravensbrück 1944, nach Liquidierung des Ghettos. Er sprach über seine Erinnerungen an das „große gelbe Zelt“ in welchem man die Kinder und ihre Mütter bei Registrierung im Konzentrationslager Ravensbrück für Tage unterbrachte. Über die toten Frauen die später im Block 22, wo er bis zum Februar 1945 leben musste, früh im Gang zwischen den Pritschen lagen. Er sprach über den Hunger und die Todesangst die ihn als Kind jeden Tag begleitete und die Zwangsarbeit von der die Mutter spät am Abend völlig entkräftet zurückkehrte.

Eine Erinnerung erstaune ihn immer noch, Weihnachten 1944 wurde er mit anderen Kindern in Ravensbrück in eine Baracke geführt in der es einen geschmückten Weihnachtsbaum gab, „so ist der Mensch, er erinnert sich viel besser an die guten Dinge“, zynischerweise wünschte ihnen der Kommandant des Lagers die baldige Befreiung.

Im Februar 1945 wurden die Frauen und Kinder, welche zusammen aus dem Ghetto Lodz nach Ravensbrück gekommen waren, in das Außenlager Königs Wusterhausen gebracht. Dies war ein Erfolg ihrer Männer, die als Arbeiter Behelfsheime aus Leichtbeton produzierten und den Betriebsleiter immer wieder an seine Versprechen erinnerten. 475 jüdische Häftlinge sind bisher namentlich für das Lager Königs Wusterhausen bekannt, Richard Fagot ist eines von 39 Kindern die in Königs Wusterhausen inhaftiert waren. Es sind offenbar mit die einzigen überlebenden Kinder des Ghettos in Lodz.

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Richard Fagot als Kind mit seinem Vater vor 1940

An das Lager in Königs Wusterhausen kann sich Herr Fagot gut erinnern. Arbeiten mussten die Kinder hier nicht, doch Hunger und Schläge gab es auch hier. Zum Kriegsende hin wurden die jüdischen Zwangsarbeiter auch in der Stadt Königs Wusterhausen eingesetzt: zum Umladen von Zügen mit verwundeten Soldaten auf den Bahnhof, zum Schanzen von Luftschutzgräben und auch bei Arbeiten in Privathäusern als Handwerker. Richard Fagot durfte das Lagergelände nicht verlassen, er sah die Königs Wusterhausener nur von weitem durch den Stacheldraht.

Einmal allerdings fuhr er mit seinem Vater unter Bewachung sogar mit der S-Bahn nach Berlin um Nahrungsmittel für das Lager abzuholen.

Die Brotrationen des Lagers Königs Wusterhausen wurden durch den Bäcker Eichelbaum in der Bahnhofstraße gebacken, ausgegeben wurden pro Tag für die Erwachsenen 200 Gramm Brot, 30 Gramm Butter, Margarine oder Marmelade und ein halber Liter Suppe, frühmorgens gab es eine Tasse Kaffee.

Die Befreiung erlebte Richard Fagot nicht in Königs Wusterhausen, er wurde wie die meisten der Häftlinge im April 1945 mit seiner Mutter nach Sachsenhausen geschickt. Richard Fagot begann das Gespräch mit dem Satz: „Ich hatte das Glück nach Ravensbrück zu kommen, ich war eines der wenigen Kinder die das Ghetto überlebten“. Von den etwa 160.000 Juden die in das Ghetto Lodz 1940 gepfercht wurden überlebten nur etwa 5000, von den Kindern gehöre er zu einzigen, etwa 60 Überlebenden erklärte Fagot.

Für die Jugendlichen aus Wildau und Zeuthen war es nicht das erste Mal das sie mit Richard Fagot sprechen konnten, bereits 2018 und auch 2015 war er in der Wildauer Ludwig Witthöft Oberschule als Überlebender eingeladen.


April 2019: Gedenkstättenfahrt nach Łódź vom 23.-26.04.2019

Sieben Jugendliche aus Wildau, Zeuthen und Eichwalde werden sich auf Spurensuche begeben und die Geschichte des jüdischen Lebens im polnischen Łódź erforschen. Unsere Themen sind:  Alltag im Vorkriegspolen, Kriegsbeginn, das Ghetto für Juden, eingerichtet durch die deutschen Besatzer ab 1940, und die Ermordung der jüdischen Bevölkerung durch Hunger, Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz und die Ausbeutung durch Arbeit. Wir wollen aufzeigen, wo die Menschen herkamen, die ab Herbst 1944 in Königs Wusterhausen Behelfsheime herstellen mussten, wer sie waren und was aus Ihnen wurde.

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2017 Projekt „überLAGERt“: OberschülerInnen der Ludwig Witthöft Oberschule Wildau erforschen das ehemalige KZ-Außenlager Königs Wusterhausen.

Update 27.11.17: Wir nähern uns dem Ende des Projekts und forschen weiter. Ende letzter Woche waren wir in Blossin zu einer Abschlussklausur: viel Arbeit wartete auf die Schüler, gemeinsam trugen sie die bisherigen Forschungsergebnisse/ Fakten zusammen und schrieben Texte, nahmen Audios auf und suchten Fotos heraus. Alle diese Inhalte sind jetzt in einem interaktiven Rundgang, einer Actionbound, zusammengetragen. Bisher haben wir sechs konkrete Orte in Königs Wusterhausen mit dem ehemaligen Außenlager verknüpfen können. Einiges wartet noch auf weitere Bearbeitung und natürlich auf die finale Eröffnung. Im Jugendbildungszentrum Blossin wartete auf die Schüler neben der Arbeit am Projekt aber auch eine Überraschung: Segeln. Blossin2 IMG-20171124-WA0004 IMG-20171124-WA0006 Blossin5 Blossin4

 

Update 14.06.17: Drei Schüler forschten im Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen: bei unserem zweiten Besuch am Ort des ehemaligen KZ konnten wir die aufbewahrten Unterlagen zum ehemaligen Außenlager Königs Wusterhausen einsehen. Einiges kannten wir schon aus Publikationen. Vieles war neu und wir müssen es in den nächsten Wochen einordnen und besprechen. Auch durch ein Luftbild vom März 1945 ist uns das gesamte Ausmaß des Lagers bewusst geworden und auch,  dass das  schräg gegenüberliegende Gelände ein Kriegsgefangenen und/oder Zwangsarbeiterlager war. Offenbar gab es wirtschaftliche Verknüpfungen durch den Behelfsheimbau, z.Zt. fehlen uns hier noch Informationen. Klar ist uns jedenfalls, im Königs Wusterhausen der Jahre 1944 und 1945 war es für alle offensichtlich, dass hunderte KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter im Stadtgebiet interniert, untergebracht und ausgebeutet wurden. So konnten wir im Archiv einem dokumentierten Bericht zum KZ-Außenlager Königs Wusterhausen der zentralen Stelle zur Aufarbeitung in Ludwigsburg lesen, dass ehemalige Häftlinge von unmenschlicher Bestrafung in Königs Wusterhausen berichteten: Prügelstrafe und Stehen in der Kälte sowie von „unzureichender Verpflegung“.

Wir werden unseren Fokus jetzt auf die Biografien der ehemaligen Häftlinge, die Umstände des Überlebens im Ghetto Lodz und in den Konzentrationslagern legen. Außerdem wollen wir uns das Thema Zwangsarbeit heranwagen. Wir legen gerade die Orte fest, an denen der virtuelle Stadtrundgang stattfinden soll.

Leider konnten wir im Archiv von Sachsenhausen nicht, wie erhofft, Schülerarbeiten aus den 1970er Jahren zu unserem Thema auffinden.

Über Rückmeldung oder Ideen zu unserem Forschungsprojekt freuen wir uns sehr.

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Update 01.06.17: Das Wetter war erträglicher und die Gruppe hatte einen Termin im Stadtarchiv Königs Wusterhausen: im Archiv konnten wir die Namenslisten der Häftlinge einsehen, diese wurden bei einer früheren Forschung zusammengetragen. Das sind für uns wichtige Hinweise zur Auffindung der Biografien, die Teils publiziert/in Yad Vashem gesammelt wurden. Wir hatten Einblick in die Orginal-Unterlagen der Stadtverwaltung: so das Entschließungsbuch, in dem der Entschluss des Königs Wusterhausener Bürgermeisters vom 21.09.1944 über den Bau einer „Herstellungsstätte für den Bau von Behelfsheimen auf dem staatlichen Gelände östlich des Güterbahnhofs zu beiden Seiten der Senziger Chaussee wird städtischerseits gebilligt, ebenso die Errichtung eines dazugehörigen Lagers mit ungefähr 500 bis 600 Häftlingen“. Außerdem konnten wir viel Material von früheren Forschungen sichten und Mengen von Kopien mitnehmen. Jetzt heißt es auswerten, besprechen und vor allem Lesen, lesen, lesen.

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Update 30.05.17: Gestern gab´s für die jungen Forscher kein Hitzefrei, sie besuchten stattdessen das Archäologische Landesmuseum in Brandenburg.

Der Leiter des Museums und des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege Dr. Thomas Kersting referierte über die Arbeit des Landesamtes im Zusammenhang mit den ehemaligen IMG_20170529_133546Standorten der KZ-Lager und Zwangsarbeitslager in Brandenburg. Außerdem wurde es praktisch, die Jugendlichen entzifferten von Blechtafeln (Adrema-Matritzen) die Namen von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen aus einem aktuellen Bodenfund. Ein kleine Überraschung gab es auch noch, dem Landesamt war das Gelände des ehemaligen KZ-Außenlager in Königs Wusterhausen offenbar bisher noch nicht bekannt. Das konnten wir ändern!

 

 

Projektbeschreibung: Über die KZ-Außenlager in Brandenburg ist in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt – auch über ihre Räumung durch die SS im Frühjahr 1945. Tausende KZ-Häftlinge starben. Das KZ-Außenlager in Königs Wusterhausen bestand ab Herbst 1944 bis April 1945. Am ehemaligen Standort in der Nähe des Bahnhofs Königs Wusterhausen erinnert eine Gedenktafel an die jüdischen Kinder, Frauen und Männer die dort eingesperrt waren. Die Wildauer Jugendlichen wollen sich bis Herbst 2017 mit dem KZ-Außenlager der Zeit des NS und vor allem mit den Biografien der Opfer beschäftigen.

Für den Oktober 2017 ist eine öffentliche Präsentation der Jugendgeschichtsarbeit geplant. Für Hinweise zu unserer Arbeit sind wir sehr dankbar. Insbesondere suchen wir ehemalige Schüler der Region die in ihrer Schulzeit zu diesem Thema forschten, uns wurde von einer Zeitzeugenbefragung um ca. 1969 berichtet.

Kontakt: lars.ulbricht@kjv.de

Das Projekt ist Teil des landesweiten „überLAGERt“ -Projekt des Landesjugenring Brandenburg e.V. gefördert durch die Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ und der F.C. Flick Stiftung – gegen Fremdenhass, Rassismus und Intoleranz

www.ueberlagert.de

 



2015: Projekt Spurensicherung 1945

Im Jahr 2015 beteiligten sich OberschülerInnen der Ludwig Witthöft Oberschule Wildau am Projekt Spurensicherung 19/45 des Brandenburgischen Museumsverbandes.

Dieses Jugendgeschichtsprojekt wurde mit einer Ausstellung der gesicherten „Spuren“ im Potsdam Museum vom 7.08-4.10 2015 abgeschlossen.

Die Wildauer Schüler konnten Erstaunliches zu Tage bringen. Sie steuerten eine zur Zellentür umgebaute Kellertür des Wildauer Wohnhauses in der heutigen Friedrich-Engels-Straße 68 zur Ausstellung bei. Dieses Haus war ab 1945 für kurze Zeit Kommandantur der sowjetischen Militäradministration in Wildau. Sie befragen Zeitzeuginnen aus Wildau und trafen die Überlebenden des KZ-Außenlager Königs Wusterhausen im Volkshaus Wildau. Außerdem wurde ein Brief eines französischen Zwangsarbeiters der im Wildauer Werk arbeiten musste aufgefunden und übersetzt werden.

Unser Dank gilt den Ortschronisten Wildau, insbesondere Frau Hornung, für die Unterstützung mit den Wildauer Zeitzeuginnen. Die Projektarbeit wäre ohne die großartige Arbeit von Frau Carl vom Verein Kulturlandschaft Dahme-Spreewald e.V. aus Zeuthen, sie bemüht sich seit Jahren um die Kontakte zu den Überlebenden des KZ-Außenlagers Königs Wusterhausen,  nicht so erfolgreich verlaufen.

 

 


Projekt Zeitensprünge 2014: 25 Jahre nach dem Fall der Mauer – Wildauer Zeitzeugen berichten

Ab dem 01.01.2014 bis zum November 2014 beschäftigen sich OberschülerInnen mit dem Fall der Mauer und den Ereignissen vor Ort in Wildau und ihren Heimatorten.

Die Jugendlichen befragten Zeitzeugen und sammelten Informationen über den Alltag in der DDR. Ein wichtiger Teil der Projektarbeit bestand in der Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte und der Unterdrückung im Einparteienstaat. Im Focus stand die politische „Wende“ und die Ereignisse im Jahr 1990 in der Region. Beim Jugendgeschichtstag in Potsdam erfolgte eine Abschlusspräsention der Forschungsergebnisse.

Das Projekt Zeitensprünge wurde durch den Landesjugendring Brandenburg e.V. – Zeitwerk begleitet und durch die Stiftung Demokratische Jugend gefördert.

 

 

 

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